OSZ Wirtschaft und Sozialversicherung

Fach: Rechnungswesen Grundkurs 12; 2. Semester / Wn

 

LA 2: Vollkostenrechnung

LE 1: Bestandteile und Grundbegriffe der Kosten- und Leistungsrechnung

         Kostenrechnerische Korrekturen

 

Aufgaben und Arten der Kalkulatorischen Kosten

 

Grundkosten

Viele Aufwendungen der FB können unverändert als Kosten in die Betriebsergebnisrechnung der Ergebnistabelle übernommen werden. In diesen Fällen spricht man von aufwandsgleichen Kosten oder Grundkosten (z. B. Löhne, Gehälter).

Anderskosten

Es gibt aber auch Aufwendungen in der FB, die kalkulatorisch ungeeignet sind und deshalb in der KLR mit einem anderen Wert angesetzt werden. Dazu rechnen die kalkulatorischen Abschreibungen und die kalkulatorischen Wagnisse. Kosten dieser Art heißen Anderskosten; sie sind aufwandsungleiche Kosten.

Zusatzkosten

Es gibt Kosten, denen kein Aufwand in der FB zugrunde liegt (= aufwandslose Kosten oder Zusatzkosten). Sie werden in der FB nicht erfasst, da mit ihnen keine Geldausgaben verbunden sind, stellen jedoch leistungsbedingten Werteverzehr dar und werden deshalb in der KLR zusätzlich berücksichtigt. Dazu zählen der kalkulatorische Unternehmerlohn bei Einzelunternehmungen und Personengesellschaften und die kalkulatorischen Zinsen auf das betriebsnotwendige Eigenkapital.

 

Beispiel:

Im Unternehmen Schmolmann KG werden die abnutzbaren Sachanlagen aus steuerlichen Gründen mit 20 %/Jahr abgeschrieben (Anschaffungen vor 2001 dürfen noch mit 30% degressiv abgeschrieben werden). Da die Sachanlagen relativ neuwertig sind, hat diese Entscheidung zur Folge, dass der Gesamtbetrag der Abschreibungen von Jahr zu Jahr fällt. Würden die degressiven Abschreibungsbeträge in die Kosten- und Leistungsrechnung übernommen, so ergäbe sich dort eine ungleichmäßige (fallende) Belastung der Abrechnungsperioden mit Abschreibungen. Dies würde dem Bestreben nach der Planbarkeit und Vergleichbarkeit bestimmter (fixer) Kosten und ihrer Beständigkeit in der Kalkulation widersprechen. Also wird Unternehmer Schmolmann in der KLR einen gleichmäßigen (= linearen) Wertansatz für die Abschreibungen ermitteln und einsetzen.

 

In solchen und ähnlichen Fällen werden die betrieblichen Aufwendungen nicht als Kosten in die Betriebsergebnisrechnung übernommen. Vielmehr werden für diese Aufwendungen in der Kostenrechnung verursachungsgerechte Kosten berechnet und dort als kalkulatorische Kosten eingesetzt. Folgende Aufwendungen der Finanzbuchhaltung sind z.B. korrekturbedürftig:

 

Korrekturbedürftige Aufwendungen der FB

Kalkulatorische Kosten der KLR

Bilanzmäßige Abschreibungen

  • Kalkulatorische Abschreibungen

Fremdkapitalzinsen

  • Kalkulatorische Zinsen

Eingetretene Einzelwagnisse

  • Kalkulatorische Wagnisse

Anschaffungskosten für Werkstoffe

  • Wiederbeschaffungspreise

Zusätzlich werden in der KLR Kosten angesetzt, für die keine Aufwendungen in der FB entstanden sind:

  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn
  • Kalkulatorische Zinsen auf das Eigenkapital
  • Kalkulatorische Mieten (für die Nutzung eigener Räume)

 

Zweck der kalkulatorischen Kosten.

Die genannten kalkulatorischen Kostenarten sorgen dafür, dass nur der Werteverzehr in die KLR eingebracht wird, der durch die Leistungserstellung und -verwertung tatsächlich entstanden ist, auch wenn er in der Gesamtergebnisrechnung der FB nicht oder in anderer Höhe angesetzt ist. Dadurch wird die Kosten- und Leistungsrechnung genauer, zudem können Schwankungen der Kosten ausgeschaltet werden und ein Kostenvergleich mit einzelnen Abrechnungsperioden oder branchengleichen Betrieben ist möglich.

 

Die Verrechnung von Kosten, die in ihrer Höhe von den zugehörigen Aufwendungen der Finanzbuchführung abweichen bzw. die zusätzlich in der Kostenrechnung erfasst werden, führen zur Abweichung des Betriebsergebnisses im Rechnungskreis II vom  Gesamtergebnis im Rechnungskreis I. Während die Abstimmung der Ergebnisse bei den unternehmensbezogenen Abgrenzungen über das neutrale Ergebnis vorgenommen wurde, müssen die durch die Verrechnung kalkulatorischer Kosten entstehenden Abweichungen durch entsprechende kostenrechnerische Korrekturen ausgeglichen werden. Deshalb wird die Abgrenzungsrechnung im Rechnungskreis II um den Bereich „Kostenrechneriscbe Korrekturen” erweitert, die linke Spalte trägt die Bezeichnung „Betriebliche Aufwendungen", die rechte Spalte die Bezeichnung „Verrechnete Kosten". Mit diesem Vorgehen wird erreicht, dass die kostenrechnerischen Korrekturen nicht mit den zuvor abgegrenzten neutralen Aufwendungen und Erträgen vermischt werden.

 

 

Ergebnistabelle

Finanzbuchhaltung

(= Rechnungskreis I)

Kosten- und Leistungsrechnung

(= Rechnungskreis II)

Gesamtergebnisrechnung

der FB

Abgrenzungsrechnung

Betriebsergebnisrechnung

Unternehmensbezogene Abgrenzungen

Kostenrechnerische Korrekturen

 

Konten-klassen

5, 6, 7

Aufwen-dungen

Klassen 6, 7

Erträ-ge

Klasse 5

neutrale Auf-wendun-gen

neutrale Erträge

betrieb-liche MEHR-Aufwen-dungen

verrechnete Kosten

(„MEHR-Erträge“)

Kosten

Leistungen

 

 

Ergebnis aus unternehmens-bezogenen Abgrenzungen

Ergebnis aus kostenrechnerischen Korrekturen

 

Gesamtergebnis

Neutrales Ergebnis

Betriebsergebnis

 

 

 

Aufgaben der Spalte „Kostenrechnerische Korrekturen”

 

Betriebsbezogene Abgrenzungen: In der Spalte „Kostenrechnerische Korrekturen”, werden die auf das Gesamtunternehmen bezogenen Aufwendungen der Finanzbuchführung von den betriebsbezogenen (leistungsbezogenen) Aufwendungen – den Anders- und Zusatzkosten der Kosten- und Leistungsrechnung – abgegrenzt.

 

„Neutralisierung” von Ergebnisabweichungen: Werden in der Kosten- und Leistungsrechnung höhere Kosten verrechnet als Aufwendungen in der Finanzbuchführung (Anderskosten > Aufwendungen) bzw. entstehen Kosten, denen kein Aufwand gegenübersteht (aufwandslose Zusatzkosten), so wird das im Vergleich zum Gesamtergebnis zu gering ausgewiesene Betriebsergebnis durch den Ausweis eines entsprechenden „Mehrertrags” (verrechnete Kosten > verrechnete Aufwendungen) ausgeglichen und neutralisiert.

 

Umgekehrt: Sind die Kosten geringer als der verrechnete Aufwand (Anderskosten < Aufwendungen), so wird das gegenüber dem Gesamtergebnis zu günstige Betriebsergebnis durch die Verrechnung eines entsprechenden „Mehraufwandes” (verrechnete Kosten < verrechnete Aufwendungen) ausgeglichen und neutralisiert.

 

Erweiterung und Abstimmung der Ergebnisse

 

Die Abgrenzungsrechnung, die bisher nur unternehmensbezogene Abgrenzungen erfasste, erfährt durch die betriebsbezogenen Abgrenzungen in der Spalte „Kostenrechnerische Korrekturen” eine Erweiterung. Das neutrale Ergebnis des ganzen Abgrenzungsbereichs im Rechnungskreis II setzt sich demnach zusammen aus dem

 

 

Die Ergebnisse des Rechnungskreises II (neutrales Ergebnis und Betriebsergebnis) müssen mit dem Gesamtergebnis des Rechnungskreises I übereinstimmen (Dies wird als Abstimmung (Probe) bezeichnet.

 

 

Merke:

Die Abgrenzungsrechnung übernimmt - zusätzlich zu den neutralen Aufwendungen und Erträgen - in einer besonderen Spalte  „Kostenrechnerische Korrekturen" die korrekturbedürftigen betrieblichen Aufwendungen aus der Finanzbuchhaltung und stellt diesen tatsächlichen Aufwendungen die in der KLR ermittelten kalkulatorischen Kosten als Erträge gegenüber. Die Differenz stellt das zweite Teilergebnis der Abgrenzungsrechnung dar, das sog.        „Ergebnis aus kostenrechnerischen Korrekturen".

In der Abgrenzungsrechnung werden somit zwei Teilergebnisse ermittelt:

1.      das Ergebnis aus unternehmensbezogenen Abgrenzungen und

2.      das Ergebnis aus kostenrechnerischen Korrekturen.

Beide Ergebnisse werden zum „Neutralen Ergebnis“ zusammengefasst.

Betriebsergebnis und neutrales Ergebnis müssen zusammen dem Gesamtergebnis entsprechen (=Abstimmung (Probe)).

 

 

 

 


C:\Eigene Dateien\RECHNUNGSWESEN\Kursphase 12\2. Semester\LA 2 Vollkostenrechnung\LE 1 Bestandteile und Grundbegriffe\Info Kostenrechnerische Korrekturen.doc Erstelldatum 14.02.2006 17:07