OSZ Wirtschaft und Sozialversicherung

Fach: Rechnungswesen Grundkurs 13; 1. Semester /Wn

 

LA 2: Teilkostenrechnung

LE 2: Teilkostenrechnung in Mehrproduktunternehmen

   Übg/Info Deckungsbeitragsrechnung als Instrument der Produktionsplanung

 

(1) Problemstellung

Dem Unternehmer stellt sich immer die Frage, welche Produkte er in sein Produktionsprogramm aufnehmen soll und gegebenenfalls welchen Produkten im Falle von Produktionsengpässen der Vorrang einzuräumen ist. Generell gilt, dass die Entscheidung zugunsten der Produkte zu fällen ist, die den höchsten Deckungsbeitrag liefern. Im Falle von Produktionsengpässen muss allerdings zwischen den absoluten und relativen Deckungsbeiträgen unterschieden werden. Insofern ist die Deckungsbeitragsrechnung auch eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Auswahl und der Ablauffolge des Produktionsprogramms.

 

(2) Produktionsentscheidung nach absoluten Deckungsbeiträgen

Gehen wir davon aus, dass bei noch nicht voll ausgelasteter Kapazität noch weitere Produkte abgesetzt werden können, dann taucht die Frage auf, welche Produkte vorrangig produziert werden sollen. Mit anderen Worten, es muss eine Rangfolge der Produktion festgelegt werden. Hierbei gilt:

 

Bei nicht voll ausgelasteter Kapazität ist den Produkten der Vorrang einzuräumen, mit denen je Stück der höchste Deckungsbeitrag erwirtschaftet wird. Die Produktionsabfolge orientiert sich daher an der Höhe des (absoluten) Deckungsbeitrages je Stück.

 

Beispiel 1:

Die Maschinenfabrik Sauter KG stellt vier verschiedene Motorentypen (A, B, C und D) zu folgenden Bedingungen her:

 

Motorentyp

Nettoverkaufspreis je Stück  p

variable Stückkosten  kv

Stückdeckungsbeitrag

db

A

7.120,00 €

2.790,00 €

 

B

13.510,00 €

8.220,00 €

 

C

5.090,00 €

2.910,00 €

 

D

18.870,00 €

14.330,00 €

 

 

Aufgabe:

In welcher Rangfolge erfolgt die Produktion der einzelnen Motoren?

 

Lösung:

Rangfolge

 

Höhe des Deckungs-beitrages je Stück (db)

Motorentyp

I

 

 

II

 

 

III

 

 

IV

 

 

 

Ergebnis: Die Rangfolge, in der die einzelnen Motorentypen produziert werden, lautet:

(3) Produktionsentscheidung nach relativen Deckungsbeiträgen

Ist in einem Teilbereich des Betriebs, den alle Produkte durchlaufen müssen, die Kapazitätsgrenze erreicht, entsteht ein Engpass. Die Produktionsmenge kann dann nicht in der Weise gesteigert werden, wie es von der Absatzseite her möglich wäre. Hierbei gilt:

 

Bei voll ausgelasteter Kapazität müssen die Deckungsbeiträge auf eine Einheit der Engpasskapazität umgerechnet werden. Damit wird eine neue Rangfolge der Produkte aufgestellt.

 

Die neuen Fragestellungen lauten daher:

1.      Wie lange wird die Engpassabteilung von den einzelnen Produkten während des Produktionsprozesses in Anspruch genommen?

2.      Welcher Deckungsbeitrag wird je beanspruchte Zeiteinheit von den einzelnen Produkten erzielt (relativer Deckungsbeitrag)?

 

Beispiel 2:

Bei der Maschinenfabrik Sauter KG durchlaufen alle Motorentypen die Abteilung Qualitätsprüfung. Diese Abteilung bildet mit 2400 Stunden pro Monat den betrieblichen Engpass. Für die Qualitätsprüfung werden folgende Prüfzeiten aufgewendet:

 

 

Motorentypen

 

A

B

C

D

Prüfzeiten in Minuten

30

40

15

20

 

Es sind die absoluten Stückdeckungsbeiträge von Beispiel 1 zugrunde zu legen.

 

Aufgaben:

1.      Berechnen Sie für jeden Motorentyp jeweils die Anzahl der Motoren, die in einer Stunde geprüft werden können!

2.      Berechnen Sie den relativen Deckungsbeitrag und ermitteln Sie die Rangfolge der Motorentypen bei der Produktionsentscheidung!

3.      Berechnen Sie das optimale Produktionsprogramm, wenn im Monat Juni folgende absetzbare Mengen möglich sind:

 

 

Motorentypen

 

A

B

C

D

absetzbare Menge (Stück)

1.260

1.500

2.280

2.460

 

4.      Berechnen Sie den im Monat Juni erzielten Betriebsgewinn, wenn Fixkosten in Höhe von 23.071.800,00 € anfallen!

 

LÖSUNGEN:

Zu 1.

Berechnung der geprüften Motorentypen in der Zeiteinheit (60 Minuten):

 

Bevor die Stückdeckungsbeiträge auf eine Einheit der Engpasskapazität umgerechnet werden, muss ermittelt werden, wie viele Motoren der einzelnen Typen in einer gegebenen Zeiteinheit geprüft werden können. Als einheitliche Zeiteinheit nehmen wir der Einfachheit halber eine Stunde (60 Minuten) an.

                                                                              60 Minuten

                        geprüfte Motoren =           Prüfzeit je Motor

 

 

Motorentyp

Prüfzeit je

Motor in Min.

geprüfte Motoren

je Stunde

A

 

 

B

 

 

C

 

 

D

 

 

 

Zu 2.

Berechnung der relativen Deckungsbeiträge und die Rangfolge der Motorentypen bei der Produktionsentscheidung:

 

In einem zweiten Schritt wird jetzt ermittelt, welchen Deckungsbeitrag die einzelnen Motorentypen in der Engpassabteilung jeweils erzielen. Dazu wird die Anzahl der in einer Stunde geprüften Motoren der einzelnen Motorentypen jeweils mit ihrem absoluten Stückdeckungsbeitrag multipliziert. Den auf eine Einheit der Engpasskapazität umgerechneten Deckungsbeitrag nennen wir relativen Deckungsbeitrag (dbr).

 

                                                                       60 Minuten

            Relativer Deckungsbeitrag =     Prüfzeit je Motor  * Stückdeckungsbeitrag

 

 

Motorentyp

Prüfzeit je Motor

geprüfte Motoren je Stunde

(absoluter) Stückdeckungsbeitrag

relativer Deckungs-beitrag je Stunde

Rangfolge

A

 

 

 

 

 

B

 

 

 

 

 

C

 

 

 

 

 

D

 

 

 

 

 

 

Ergebnis: Die Rangfolge, in der die einzelnen Motorentypen produziert werden, lautet:

 

Zu 3.

Berechnung des optimalen Produktionsprogramms:

 

Rang

Motoren-typ

Absetzbare Menge

Geprüfte Stücke je Stunde

Prüfzeit insgesamt in Stunden

Kumulierte Prüfzeiten

Produktionsmenge in Stück (optimales) Produktionsprogramm)

I

 

 

 

 

 

 

II

 

 

 

 

 

 

III

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IV

 

 

 

 

 

 

 

 

Erläuterungen:

Die Motorentypen D, C und A können in der absetzbaren Menge produziert werden. Dafür werden in der Engpassabteilung Qualitätsprüfung 2 020 Stunden benötigt. Für den mit dem niedrigsten relativen Deckungsbeitrag ausgestatteten Motorentyp B, der bei der absetzbaren Menge von 1 500 Stück 1 000 Prüfstunden benötigen würde (1 500 Stück : 1,5 Stück/Std.), verbleibt nur noch eine Prüfzeit von 380 (2400 – 2020) Stunden. In dieser Zeit können nur 570 Motoren (1,5 Stück/Std. * 380 Std. restliche Prüfzeit) dieses Motorentyps geprüft werden. Daher können auch nur 570 Stück dieses Motorentyps produziert werden.

 

Zu 4. Berechnung des Betriebsgewinns:

 

Motorentyp

produzierte Motoren

absoluter Stück-deckungsbeitrag

Deckungsbeitrag insgesamt DB (Typ)

A

 

 

 

B

 

 

 

C

 

 

 

D

 

 

 

Summe

 

 

 

Betriebsgewinn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

C:\Eigene Dateien\RECHNUNGSWESEN\Kursphase 13\3. Semester\LA 2 Teilkostenrechnung\LE 2 Deckungsbeitragsrechnung im Mehrproduktunternehmen\ÜBG Info Optimale  Produktionsplanung.doc Erstelldatum 29.04.2006 13:56